„Meine Rentenversicherung reduziert dauernd die Überschüsse – was soll ich denn jetzt tun?“


Die Anlage Ihrer Altersvorsorge Sparrate in der kapitalgebundenen Rentenversicherung erfolgt im so genannten Deckungsstock des jeweiligen Versicherers.
Die kapitalgebundene Rentenversicherung ist gesetzlich verpflichtet einen großen Teil des Geldes in so genannte mündelsichere Papiere anzulegen. Nur bis zu 30 % darf in Aktien angelegt werden. Die durchschnittliche Aktienquote deutscher privater Rentenversicherer liegt aktuell bei ca. 7 – 8 %. Neben der Anlage Ihrer Altersvorsorge in sogenannte mündelsichere Papiere (in der Regel Staatsanleihen hoher Bonität, z.B. aus Deutschland) wird zu einem kleinen Teil in Immobilien investiert.

Abschreibungen nach dem Handelsgesetzbuch

Da die kapitalgebundenen Rentenversicherungen nach dem Handelsgesetzbuch bilanzieren müssen, werden Immobilien über 30 Jahre abgeschrieben. D.h. nach 30 Jahren sind sie in der Bilanz nichts mehr Wert. Für Aktien gilt, dass sie zum niedrigsten Wert seit Erwerb bilanziert werden müssen. Wann die kapitalgebundene Rentenversicherung diese Reserven für Ihre Altersvorsorge hebt, ist ihre Sache. Konkret: Ob und wann Sie als Versicherungsnehmer an den Überschüssen, die aus Ihrem Geld erwirtschaftet werden, beteiligt werden, liegt allein im Ermessen der Rentenversicherung.

Keine Überschussbeteiligung bei vorzeitiger Kündigung
Insbesondere bei vorzeitiger Kündigung Ihrer Altersvorsorge gewährt die Rentenversicherung in der Regel überhaupt keine Überschussanteile. Die beim Versicherer verbliebenen Überschussanteile fließen also in den großen Topf zurück und ergeben dann die Überschussbeteiligung für alle anderen Rentenversicherten. Mit anderen Worten: Nur durch die Einbehaltung der Überschussanteile Ihrer Altersvorsorge bei z.B. Kündigungen können die Versicherer die mageren Renditen überhaupt erreichen.

Schöner Schein

Worin die Rentenversicherung das in die Altersvorsorge eingezahlte Geld der Versicherungsnehmer konkret anlegt, bleibt völlig im Dunklen.

Außerdem: Nichts ist wie es scheint! Bei einer Rentenversicherung, die aktuell die höchsten Überschüsse ausweist, gibt es keine Gewähr, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Schon im April 1983 verklagt der Verband der Lebensversicherungsunternehmen den Bund der Versicherten auf Unterlassung der Aussage: „Lebensversicherung zur Altersversorgung ist legaler Betrug.“ Das Landgericht Hamburg weist die Klage als unbegründet ab. Zu Recht, denn wenn nach 10 Jahren die gewählte kapitalgebundene Rentenversicherung an das Ende der Renditeskala gerutscht ist, bleibt dem Versicherungsnehmer nichts anders übrig als – inflationsbereinigt – null Prozent Rendite für seine Altersvorsorge zu akzeptieren oder eine neue Versicherung abzuschließen, was in der Regel zu hohen Kosten führt.

Keine Anpassung an Risikostruktur

Es gibt bei der kapitalgebundenen Lebensversicherung oder Rentenversicherung keine Anpassung der Altersvorsorge an die eigene Risikostruktur!

Während zum Beispiel in jungen Jahren eine höhere Aktienquote sinnvoll und relativ risikoarm ist, wird eine Garantie später sinnvoll. Bei der kapitalgebundenen Rentenversicherung bleibt die Anlage Ihrer Altersvorsorge über verschiedene Jahre relativ gleich und fokussiert sich zu über 80 % auf renditearme Schuldscheine.

Kapitalgebunden versus Fondsgebunden

Es ist ein Irrglaube, dass kapitalgebundene Rentenversicherungen risikofrei seien.

Fakt ist, dass das Risiko einer fondsgebundenen Rentenversicherung beim Kunden liegt. Fakt ist aber auch, dass es ebenso ein Risiko bei der kapitalgebundenen Rentenversicherung gibt. Die schlechten Renditen der Rentenversicherungen muss nämlich nur einer  ausbaden – der Kunde mit seiner Altersvorsorge. Der fondsgebundene Kunde hat darüber den Vorteil, dass er die Risikostruktur der kapitalgebundenen Rentenversicherung in einer fondsgebundenen „abbilden“ kann, indem er zum Beispiel 80 % in Rentenfonds, 10 % in Immobilienfonds und 10 % in Aktienfonds, also ähnlich einer kapitalgebundenen Versicherung investiert. Zusätzlich gilt: Ein Wechsel des Anlagemanagements ist jederzeit möglich. Generell ist bei jüngeren Menschen eine höhere Aktienquote für die Altersvorsorge sinnvoll. Historisch gesehen sind die Aktienkurse immer gestiegen – trotz Krisen.

Ausstiegsszenarien

Wer eine kapitalgebundene Rentenversicherung besitzt und nun an einen Wechsel oder eine Verlagerung seiner Altersvorsorge denkt, sollte nicht überstürzt handeln.

Eine Kündigung Ihrer Altersvorsorge ist nicht immer sinnvoll. Vor allem kommt es auf die Laufzeit und auf die versprochenen Zinsen an. Ein Ausstieg lohnt sich eventuell bei diesen Szenarien:
– Die Garantieverzinsung ist geringer als die Inflationsrate und bietet deshalb nicht mal einen Inflationsschutz Ihrer Altersvorsorge.
– Möchte man das Geld bei Fälligkeit verrenten kann sich einUmstieg noch lohnen, wenn sich die steuerliche Situation verbessert.
– Bei unter 45-jährigen kann der Neuabschluss einer fondsgebundenen Rentenversicherung eine um 2 – 2,5 % höhere Rendite der Altersvorsorge heraus springen, trotz Kosten wird unter dem Strich mehr ausgeschüttet.
– Die deklarierten Überschüsse liegen bei oder unter dem langjährigen Mittel von ca. 4,75 %.

Alternativen zum Ausstieg

Sollte einer oder mehrere der oben genannten Punkte auf eine abgeschlossene Rentenversicherung zutreffen, sollte man ernsthaft über einen Wechsel der Altersvorsorge nachdenken

oder zumindest über eine der folgenden Alternativen:

1. weiterlaufen lassen – besonders bei kurzen Restlaufzeiten die richtige Wahl
2. Beitrag reduzieren – bei mittleren Restlaufzeiten die richtige Wahl
3. Beitragsfrei stellen – bei mittleren bis langen Restlaufzeiten die richtige Wahl
4. Rückkaufen/kündigen – bei langen Restlaufzeiten oder wenn man dringend Geld benötigt die richtige Wahl
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